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Harninkontinenz ist definiert als Verlust der Fähigkeit, Urin bewusst zurückzuhalten und den Zeitpunkt der Entleerung selbst zu bestimmen. Zur Kontrolle der Blasenentleerung - die lat. als Miktion bezeichnet wird - ist ein komplizierter Regelmechanismus erforderlich, der das Zusammenspiel der Harnblase, des Schließmuskelsystems am Harnröhrenausgang und des Nervensystems steuert.
Die Harnblase hat die Aufgabe, den Harn zu speichern und auszutreiben. In der Speicherphase kommt es zu einer für uns unbewussten Blasenfüllung, wobei die elastische Blasenwandmuskulatur, der sogenannte Detrusor, eine Füllung ohne Drucksteigerung ermöglicht. Das Schließmuskelsystem am Harnröhrenausgang ist während der Füllungsphase geschlossen.
Die zunehmende Blasenfüllung führt dann zu einer Verstärkung von Nervenimpulsen der Blase,
die über die Nervenbahnen im Rückenmark zum sogenannten Miktionszentrum im Hirnstamm und von dort zu höheren Hirnzentren gelangen. Sobald diese Impulse eine bestimmte Stärke erreicht haben, werden sie von uns als Harndrang wahrgenommen.
Wir haben nun die Möglichkeit, mit unserem Großhirn das Miktionszentrum zu kontrollieren, was im Kindesalter erlernt wird: Sind Ort und Zeit günstig, können wir die Blasenentleerung willkürlich einleiten. Durch die entsprechenden "Befehle" zieht sich die Blase zusammen - sie kontrahiert - und treibt den Urin aus. Während der Entleerungsphase sind die Schließmuskel am Harnröhrenausgang erschlafft und geöffnet. Die Kontrolle über das Miktionszentrum versetzt uns aber auch in die Lage, den Harndrang zu unterdrücken oder eine Blasenentleerung auch ohne Harndrang einzuleiten.
Diese vereinfachte Darstellung der Blasenentleerung läßt erahnen, wie störanfällig der Vorgang sein kann. Zum unkontrollierten Urinabgang kann es beispielsweise kommen,
- wenn das Schließmuskelsystem nicht mehr genügend Verschlusskraft hat,
- die Blase zu viel oder gar nicht mehr kontrahiert,
- ein Abflusshindernis unterhalb der Blase vorliegt oder
- wenn die nervale Impulsübermittlung zwischen Blase, Rückenmark und Gehirn ganz oder teilweise beeinträchtigt ist.
Alle diese Funktionsstörungen werden dabei wiederum durch die unterschiedlichsten
Ursachen ausgelöst, so z. B. durch Harnwegsinfektionen, Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur, Prostatavergrößerungen, degenerative Veränderungen im Gehirn, Stoffwechselerkrankungen, Rückenmarkverletzungen, Auswirkungen von Medikamenten usw.
Harninkontinenz ist somit eigentlich ein "Symptom", d. h. ein Anzeichen für eine vorliegende Grunderkrankung, die zu behandeln ist. Falsch ist deshalb auch die Annahme, dass von Harninkontinenz keine gesundheitlichen Gefahren ausgehen können. Ein Ergründen der Ursache ist immer wichtig!
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