|
Charakteristisch für die Dranginkontinenz, die auch als Urge-Inkontinenz bezeichnet wird, ist der zwingende "imperative" Harndrang, der dem Betroffenen nur wenig Zeit lässt, die Toilette zu erreichen und so zum unfreiwilligen Harnverlust führt. Die Dranginkontinenz wird in einer "motorischen" und einer "sensorischen" Form unterschieden.
Bei der motorischen Drang-Inkontinenz handelt es sich um eine Übererregbarkeit der Blasenwandmuskulatur, des sogenannten Detrusors, der durch seine Kontraktionsfähigkeit als "Harnaustreiber" fungiert. Der Detrusor zieht sich übermäßig oft zusammen und löst selbst bei geringem Füllungsgrad der Blase Harndrang aus. Ursache für die häufigen Kontraktionen sind z. B. verstärkte Impulse durch psychische Stresssituationen (starker Harndrang in psychischen Stresssituationen bei fast leerer Blase ist auch Blasengesunden nicht unbekannt) oder eine mangelnde Impulshemmung durch degenerative Erkrankungen des zentralen Nervensystems.
In leichteren Fällen bestehen anfangs nur die Symptome einer "Reizblase" mit dem lästigen Zwang zum häufigen Wasserlassen, der Urin kann jedoch noch gehalten werden. Bei stärkerer Ausbildung der Beschwerden entsteht dann der willentlich nicht mehr beherrschbare Harndrang mit der Folge der Inkontinenz. Dabei kann sich die Blase ganz oder teilweise sturzbachartig entleeren.
Für die sensorische Drang-Inkontinenz sind dagegen häufig Blaseninfektionen, Blasensteine oder Tumore verantwortlich. Der imperative Harndrang entsteht dabei nicht durch eine überaktive Blasenmuskulatur, sondern - vereinfacht dargestellt - über die erkrankungsbedingten Reizungen der Blasenschleimhaut. Es kommt zur reflektorischen Öffnung des Blasenhalses mit nachfolgender Erschlaffung des Schließmuskelsystems und unfreiwilligem Urinabgang.
|